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Erfahrungsbericht von Laura

Wir sind dabei weil...

Laura Moser, 26

 

Graue Nebelschwaden verdecken den Himmel. Der Tag begrüsst uns mit feuchter Kälte, die in die Ärmel und Krägen unserer bergtauglichen Kleidung kriecht. Wir warten in Escholzmatt auf das Postauto, das uns an unseren heutigen Arbeitsort bringen soll. Fernab von Telefongesprächen und E-Mail-Verkehr, von Bürostuhlsessionen und Druckerproblemen. Noch wissen wir nicht, was uns heute erwarten wird. Bisher können wir nur ahnen, dass der Tag vor allem unseren Muskeln noch länger in Erinnerung bleiben wird.

Die Abteilung Soziale Aufgaben Schweiz der Caritas Schweiz ist auf dem Weg zu einem Bergeinsatz. Der Einstieg zum Einsatz ist sanft: Zur Begrüssung durch die Bauernfamilie gibt’s Kaffee und frischen Zopf. Wir erfahren, mit welchen Herausforderungen Bergbauernfamilien kämpfen, weshalb es verschiedene Bergzonen gibt, welche Arbeiten anfallen und wie wir helfen können. Schon ein paar Minuten später stehen fast 20 in rote Caritas-T-Shirts gekleidete Helferlein bereit zum Abmarsch, die Arbeitshandschuhe unter den Arm geklemmt.

Ich gehöre zur kleinen Gruppe der «Farn-Bändiger/innen». Farne breiten sich schnell und hartnäckig aus und nehmen so einen grossen Teil der Weide ein. Ein grosses Problem, da die Pflanzen vom Vieh nicht gefressen werden. Aus diesem Grund rücken wir den Eindringlingen mit der Harke auf die Pelle. Mit viel Kraft und stetigem Einsatz des Arbeitsgeräts gelingt es uns, einen grossen Teil der Wiese zu säubern. Die starken Wurzeln der Farne und die extreme Hanglage sind unsere Gegenspieler. Glücklicherweise ist jedoch das Wetter mit uns. Obwohl wir die Nebeldecke am Morgen noch als negativ empfunden haben, sind wir inzwischen froh, dass uns nicht die pralle Sonne auf den Kopf scheint.

Die Zeit vergeht schnell, die Mittagspause steht an. Wir erfahren, dass der Hunger eines Bürolistens ein anderer Hunger ist, als der eines körperlich Arbeitenden. Zudem tragen die wunderbaren Salate der Bäuerin ebenfalls dazu bei, dass wir unsere Bäuche gierig vollschlagen.

Auch das Nachmittagsprogramm hat es in sich. Die Muskeln lassen bereits grüssen und der volle Bauch tut das Seine. Trotzdem helfe ich fleissig mit, geschnittene Sträucher abzutransportieren. Meine eigentliche Nachmittagsarbeit besteht jedoch darin, unsere Jacken und Trinkflaschen vor neugierigen Kühen zu retten, die weder vor dem Einen noch dem Anderen haltmachen. Eine Kuh lässt sich jedoch weder von meinen liebevollen Worten noch von meinen artistischen Lockversuchen beirren. Vermutlich haben diese das Tier in seinem Tun bestärkt. Ich bringe also alles so weit in Sicherheit, wie ich kann, und hoffe, dass es dem Rind bald langweilig wird. Am Ende des Tages werden wir nochmals wunderbar verköstigt, während wir dem Schlussbericht des Bauern lauschen.

Obwohl sich die Sonne nie gezeigt hat, sitzen wir wenig später mit geröteter Stirn und Nase und erhitzten Wangen im Postauto. Wir sehen müde aus und geschafft, von unseren Schuhen bröckelt eingetrockneter Schmutz. Während die anderen Pendler/innen von einem normalen Arbeitstag zurückkehren, geht für uns ein spannendes Abenteuer zu Ende. Der Einsatz von Schweiss und Muskelkraft hat sich gelohnt. Wir sind um eine tolle Erfahrung reicher.

 

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Caritas-Bergeinsatz

 

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Adligenswilerstrasse 15
Postfach
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