«Ich hatte zu Beginn einen kleinen Kulturschock»

Die 30-jährige Freiwillige Theresa Forsthuber verbringt vier Wochen in den Schweizer Bergen und hilft auf Vermittlung von Caritas Schweiz zwei Bergbauernfamilien in der strengen Sommerzeit. Die Apothekerin ist in Österreich aufgewachsen, lebt seit einem Jahr in Zürich. Eine Woche Bergeinsatz hat sie bereits bei einer Familie in Obwalden geleistet, drei weitere folgen bei einer Familie in Gstaad.

Warum machen Sie einen Bergeinsatz? Und nicht nur eine Woche, sondern gleich vier!

Ich wollte schon immer mal in die Landwirtschaft reinschnuppert und ein ganz anderes Leben kennenlernen. Ich komme aus der Stadt und wollte erfahren, wie es ist, abgeschieden auf dem Land zu leben. Ausserdem interessiere ich mich dafür, woher unser Essen kommt - insbesondere tierische Produkte. Wie werden die Tiere gehalten? Wie wird Käse hergestellt? Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie das funktioniert.

 

 

Eine Woche bei einer Familie in Obwalden haben Sie bereits hinter sich. Wie sah Ihr Alltag aus?

Die Tage sind sehr klar strukturiert. Morgens habe ich beim Käsen und der Käsepflege geholfen. Nachmittags kamen die Kinder aus der Schule zurück und ich habe je nach Bedarf beim Kochen, Kinderhüten, Tisch decken und ähnlichen Tätigkeiten geholfen. Abends wurde das zweite Mal gemolken und ich habe geholfen die Kühe vorzubereiten, sprich die Euter gereinigt und vorgemolken.  Ich habe auch beim Ausmisten und auf der Weide mitangepackt. Regelmässige und bewusste Pausen haben ebenfalls zum Alltag gehört. Das waren die Momente, in denen wir uns ausgetauscht haben.

 

Warum haben Sie sich genau für den Betrieb in Obwalden und in Gstaad entschieden?

Mir war wichtig, dass der Hof Milchwirtschaft betreibt und mit Kühen arbeitet. Der Hof sollte ausserdem biozertifiziert sein. Ausschlaggeben war zudem mein Bauchgefühl. Ich habe die Bilder auf der Webseite von Caritas-Bergeinsatz angeschaut und beide Familien waren mir sympathisch. Die Familien in Obwalden betreut drei Pflegekinder und dieser soziale Aspekt hat gut zu mir gepasst.

Was fanden Sie an Ihrem Einsatz besonders interessant?

Die Arbeit mit den Tieren war für mich etwas ganz Neues und Herausforderndes. Die Kühe kennen den Bauern und sind seinen Anweisungen gefolgt. Bei mir hat das nicht immer so gut geklappt! (lacht).

 

Was war ein besonders schöner Moment für Sie?

Neben einer Kuh zu stehen und ihren Euter zu reinigen. Ich fand das sehr schön und einmalig einem Tier so nahe zu sein.

 

Gab es auch schwierige Momente?

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn einen kleinen Kulturschock hatte. Mein Zimmer hatte kein Fenster und war sehr klein. Ich habe schnell gemerkt, dass es keine Rolle spielte, da ich darin sowieso nur schlief. Die erste Nacht habe ich zudem sehr schlecht geschlafen, weil das Glockenläuten der Kühe so laut war. Daran habe ich mich jedoch schnell gewöhnt.

 

Sie wohnen in der Stadt – heute Zürich, früher Wien. Jetzt erleben Sie für mehrere Wochen das komplette Kontrastprogramm. Was nehmen Sie in Ihren Alltag mit?

Die Ruhe, die ich hier oben erlebe. Der Tag vergeht viel langsamer und das meine ich im positiven Sinn. Zuhause vergehen die Tage sehr schnell. Ich stresse von einem Termin zum nächsten. Hier oben vergeht die Zeit anders. Es sind weniger Einflüsse, die auf mich einwirken. Das entschleunigt. 

 

Würden Sie einen solchen Einsatz weiterempfehlen? Wenn ja, wieso?

Ja, ich würde es jeder Person weiterempfehlen, die eine solche Erfahrung sucht. Es sind klar keine Ferien und man muss wissen, worauf man sich einlässt. Jemand, der in den Ferien lieber Party machen will, ist hier fehl am Platz.

 

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Bei einem Caritas-Bergeinsatz hat die Freiwillige Theresa Forsthuber nicht nur die Abgeschiedenheit in den Bergen genossen, sondern auch eine Familie in Not unterstützt und gelernt, wie Käse hergestellt wird.

 

 

 

 

 

 

 

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