«Griez, griez» und schon kamen die Ziegen

Am ersten Abend sorgte eine neugierige Ziegenherde für ein unvergessliches Erlebnis. Eine Begegnung, die den Auftakt zu einer besonderen Woche auf dem Hasliberg bildete.

Was bewegt jemanden dazu, die Ferien auf einem Bergbauernhof zu verbringen? Für Esther Bohé war die Antwort schnell klar: frische Bergluft, körperliche Arbeit und die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu leisten.

Während ihres Bergeinsatzes auf dem Hasliberg erlebte sie nicht nur die Herausforderungen der Landwirtschaft hautnah, sondern auch unvergessliche Momente, vom ersten Zusammentreffen mit den Ziegen bis zum beeindruckenden Ausblick von ihrer persönlichen «Lesebank» über die Bergwelt und den Brienzersee.

Was hat dich dazu motiviert einen Bergeinsatz zu machen?

Die Idee hat mir ein Kollege von der Caritas Schweiz in den Kopf gesetzt, der selbst schon einen Bergeinsatz hinter sich hatte – und ich war sofort Feuer und Flamme. Ich sitze ja sonst den ganzen Tag im Büro, und die Vorstellung, stattdessen ein paar Tage in den Alpen richtig anzupacken statt Online Meetings und Mails, hat mich begeistert. Frische Luft statt Bildschirmlicht, Muskelkater statt Nackenschmerzen vom Büro – und obendrein sich noch nützlich fühlen. Das klang nach der perfekten Kombination.

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Was bleibt dir vom ersten Tag in Erinnerung?

Es war Sonntagabend, die Bäuerin hatte mich gerade von der Gondelstation abgeholt – selbst etwas angeschlagen bat sie mich um einen ersten Gefallen: Ich solle nach den Ziegen schauen, die in einem ziemlich weitläufigen Gehege nahe beim Haus waren. Nur wie genau man dort mehrere Ziegen findet, die sich offenbar bestens zu verstecken wissen, war mir schleierhaft.

Der Rat der Bäuerin: einfach rufen. „Griez, griez“ sei das Zauberwort. Ich war skeptisch, ging trotzdem los zum Gehege – und hätte den Ruf fast schon wieder vergessen, bis er mir in letzter Sekunde wieder einfiel.

Kaum hatte ich „Griez, griez“ in die Landschaft gerufen, klingelten auch schon die Glocken, und wie aus dem Nichts kamen die Ziegen hinter Bäumen und Büschen hervorgetrabt, direkt auf mich zu. Sie schauten mich dann ganz erwartungsvoll an – leider hatte ich aber keine Snacks im Gepäck. Trotzdem: ein herrlich lustiges kleines Erfolgserlebnis, gleich am ersten Abend.

«Es war eine wunderbare Erfahrung, mal komplett in einen anderen Alltag einzutauchen und die Lebensrealität anderer Menschen kennenzulernen.»esther bohéfreiwillige

Welche Arbeiten hast du übernommen?

Die ersten beiden Tage half ich hauptsächlich im Haushalt: Der Bauer war unterwegs, die Bäuerin gesundheitlich angeschlagen, also übernahm ich Kochen, Backen und Putzen. Danach ging's endlich raus – zäunen, grozelen (so heisst die Weidepflege) und Holz machen. Das Highlight: Ich durfte dem Senner beim Käsemachen über die Schulter schauen.  

Was war die grösste Herausforderung für dich?

Das Grozelen im steilen Gelände hat's in sich: kleine Baumtriebe abzwicken und die vom Bauer gefällten Baumstücke und Äste zu einem Haufen schleppen – manche Brocken waren echt nicht leicht, und das Ganze am Hang, wo man selbst ohne Gepäck ein bissl ins Schwitzen kommt. Anstrengend aber auch richtig befriedigend.

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Was hat dich am meisten überrascht?

Ich wusste nicht richtig, was mich erwarten würde. Überrascht hat mich dann aber doch, wie anstrengend die Arbeit im steilen Gelände tatsächlich ist. Theoretisch war mir klar, dass das kein Spaziergang ist – praktisch hatte ich mir darüber einfach nie richtig Gedanken gemacht.

Welcher Moment bleibt dir speziell in Erinnerung?

Ganz klar: der Ziegen-Moment am ersten Tag. Und der Blick von meiner „Lesebank“. Das war eine kleine Bank nahe des Bauernhofs mit einem unglaublichen Blick auf die Berge – und am Horizont der Brienzer See.

Was hast du über dich selbst gelernt?

Das ich Schwitzerdütsch verstehe, wenn ich mich ein bissl reinhöre. ;-)

Wie hat sich dein Blick auf die Landwirtschaft verändert?

Ich komme selbst vom Land und hatte schon vorher grossen Respekt vor Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Der Einsatz hat das nur bestätigt: Die langen Tage, die körperlich intensive Arbeit, aber auch die gesetzlichen Auflagen in der Landwirtschaft, die gerade für kleine Höfe oft eine Herausforderung sind. Ein Problem, das ich auch in der EU sehe – ich fände es sinnvoll, kleineren Höfen mehr Flexibilität einzuräumen und strengere Vorgaben eher bei den grossen Betrieben anzusetzen.

Besonders schön fand ich den kollegialen Umgang unter den Bauern: Wenn irgendwo Not am Mann/Frau ist, wird ganz selbstverständlich ausgeholfen. Davon könnten wir uns im Büroalltag eine Scheibe abschneiden.

Warum würdest du einen Bergeinsatz empfehlen?

Weil es einfach eine wunderbare Erfahrung ist, mal komplett in einen anderen Alltag einzutauchen und die Lebensrealität anderer Menschen kennenzulernen – und das Ganze eingebettet in eine traumhafte Landschaft.

Beschreibe deinen Einsatz in drei Worten.

Tu es auch!