Vom Büro auf den Gipfel: Der Ruf der Berge

Andrea Pitsch tauschte ihren Büroalltag gegen Stallarbeit und Bergpanorama.

Seit ihrer Kindheit zieht es sie in die Berge. Wandern, Alphütten, Käsekurs, das einfache Leben auf Zeit – die Faszination war immer da. Als sie eher zufällig auf die Möglichkeit eines Freiwilligeneinsatzes bei einer Bergbauernfamilie in der Schweiz stiess, war für sie schnell klar: Das will ich ausprobieren.

Im Alltag arbeitet Andrea Pitsch als Redakteurin bei einer Lokalzeitung. Viel Computerarbeit, viele Sitzungen, viel Organisation. Der Freiwilligeneinsatz bedeutete für sie: Komfortzone verlassen, Neues lernen, körperlich arbeiten.

Die Bergbauernfamilie war unglaublich herzlich. Ich habe mich vom ersten Tag an integriert gefühlt.Andrea pitschfreiwillige

Ankommen zwischen Stall und Weide

Überraschend war für sie vor allem, wie schnell sie ankam. «Die Bergbauernfamilie war unglaublich herzlich. Ich habe mich vom ersten Tag an integriert gefühlt.»

Um sechs Uhr morgens begann der Tag – Kühe putzen, beim Austreiben helfen, Pflegearbeiten erledigen, Unkraut entfernen, Zäune setzen. Manches klappte auf Anhieb, manches weniger. Beim ersten Abrollen eines Zauns verhedderte sich alles – ein kleiner Moment zum Schmunzeln. «Aber ich wurde nie allein gelassen. Mir wurde viel zugetraut, obwohl ich kaum Erfahrung hatte.»

Besonders beeindruckt hat sie das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wurde. Eigenverantwortung war selbstverständlich – und gleichzeitig war man immer ein Team. «Dieses Miteinander hat mich sehr berührt.»

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Käse, Kühe und Kraft in den Beinen

Eines der Highlights war der Vormittag auf der Alp beim Käsen. Zu sehen, wie aus frischer Milch ein Laib Käse entsteht, diesen zu wenden und zu etikettieren – und später selbst ein Stück davon mit nach Hause zu nehmen. «Wenn man den Prozess miterlebt, bekommt Lebensmittel eine ganz andere Bedeutung.»

Respekt hatte sie anfangs vor den Kühen und vor den steilen Hängen. Trittsicherheit ist gefragt, Holzstapeln und Heuen am steilen Hang fordert Kraft. «Es war körperlich anstrengend – aber es war ein guter Stress. Ganz anders als im Büro. Zwischendurch kurz innehalten, die Landschaft anschauen, durchatmen – das gibt unglaublich viel zurück.»

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Momente, die bleiben

Was ihr besonders in Erinnerung bleibt? Das Panorama mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Alpenglühen am Abend. Ein Regenbogen nach einem Sommerregen. Das Lachen der Bäuerin. Und die Kälbchen, die sich geduldig streicheln liessen.

«Wir haben abends gemeinsam am Tisch gesessen, geredet, gelacht. Diese Offenheit und Herzlichkeit waren etwas Besonderes.» So besonders, dass sie plant, wiederzukommen.

Die Woche hat auch Spuren in ihrem Alltag hinterlassen. «Ich habe gemerkt, wie viel es ausmacht, wenn man selbstverständlich mitanpackt und sich gegenseitig unterstützt.» In ihrem Berufsleben versucht sie seither bewusster, Zusammenarbeit zu fördern, einen Vertrauensvorschuss zu schenken – und ihren eigenen Stress zu reduzieren.

Was sollten Interessierte wissen?

«Man braucht nicht viel. Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich auf eine fremde Familie einzulassen.» Kein Fernseher, wenig Komfort – aber dafür echte Begegnungen. «Wenn man ohne zu starre Erwartungen kommt, erlebt man die schönsten Momente.“

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Warum lohnt sich ein Einsatz trotz körperlicher Arbeit?

Ihre Antwort kommt ohne Zögern: «Es ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Man leistet sinnvolle Arbeit und bekommt einen direkten Bezug zu dem, was uns ernährt.» Gerade kleinstrukturierte Landwirtschaft verdiene Unterstützung – für unsere Versorgung ebenso wie für den Erhalt der Kulturlandschaft.

Ihr Fazit nach dieser Woche in den Bergen:

«Die Woche auf dem Bergbauernhof war lehrreich und bereichernd. Wer Lust hat, Neues auszuprobieren, mit anzupacken und die Berge hautnah zu erleben, sollte einen Freiwilligeneinsatz unbedingt wagen.»

Titelbild: © A. Pitsch